Alpines Skifahren: Weniger Verletzte als vor 15 Jahren

Harter Kunstschnee, mehr Menschen auf der Piste, schnelle Carvingskier: Das lässt zunächst vermuten, dass die Zahl der Verletzungen beim alpinen Skifahren in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. In Wirklichkeit sieht es aber anders aus.

Dr. Hubert Hörterer

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Schön Klinik München Harlaching

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Der alpine Skisport erfährt in der Bevölkerung eine breite Beliebtheit und eine stete Zuwanderung. So gibt es in Deutschland rund vier Millionen alpine Skifahrer. Dass es im Skifreizeitsport auch zu Verletzungen kommt, ist selbsterklärend. In Deutschland werden Skiunfälle und Skiverletzungen seit der Wintersaison 1979/1980 von der Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) der ARAG-Versicherungs-AG in Kooperation mit der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) erfasst. Einbezogen in die Analyse werden deutsche Skifahrer und Skifahrerinnen, die nach einem Skiunfall ärztlich behandelt werden müssen.

Bessere Ausrüstung, weniger Verletzungen

Laut der Statistik verletzten sich in der Saison 2015/2016 von rund vier Millionen Skifahrern 41.000 bis 42.000 – etwas mehr als in der Vorsaison (40.000). Betrachtet man die stationären Behandlungen, welche in der Wintersaison 2015/2016 nach einem Skiunfall erforderlich wurden, so kommt man auf 1,71 pro 1.000 Skisportler. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich die Verletzungszahlen auf niedrigem Niveau stabil halten. Vergleicht man die Verletzungszahlen der Wintersaison 2015/2016 mit der Basis-Saison 1979/1980, so sinkt der Anteil der Verletzten je 1.000 Skifahrern um fast 59 Prozent. Gute Pistenpräparation, besseres Ski-Equipment sowie Ausschilderung und Abgrenzung des Skigebietes mit entsprechenden Warnungen spielen sicherlich eine wesentliche Rolle für den konsequenten Verletzungsrückgang seit 1979.

Meist trifft es das Knie – vor allem bei Frauen

Insgesamt ist die untere Extremität mit rund 47 Prozent aller Skiverletzungen am häufigsten betroffen. Spitzenreiter der Verletzungslokalisation beim Skifreizeitsport bleibt das Kniegelenk. Mit rund einem Drittel ist das Kniegelenk das am häufigsten verletzte Gelenk (27 Prozent in der Wintersaison 2015/2016). Diesbezüglich lässt sich ein relevanter Geschlechtsunterschied zu Ungunsten der Frauen feststellen. Fast die Hälfte aller Skiverletzungen der Frauen betreffen das Kniegelenk (rund 43 Prozent in der Wintersaison 2015/2016). Bei Männern hingegen nur jede fünfte (rund 18 Prozent Wintersaison 2015/2016). Hüfte und Oberschenkel waren bei rund sechs Prozent, Unterschenkel bei fast neun Prozent, Sprunggelenk und Fuß bei gut fünf Prozent aller Skisportler in der Wintersaison 2015/2016 betroffen. Um das Verletzungsrisiko zu reduzieren, werden spezielle Präventionsprogramme und -konzepte  an der Schön Klinik München Harlaching in Kooperation mit dem Deutschen Skiverband entwickelt.

Carving: mehr Verletzungen der Schulter

Seit Beginn der „Carvingzeit“ um 1999/2000 kam es zu einer Verschiebung der Verletzungen von der unteren zur oberen Extremität. Durch vermehrte Kurvenlage, engere Kurvenradien und folglich vermehrten Sturz-Ereignissen wurde die Schulterregion seit Einführung der Carvingtechnik verstärkt in Mitleidenschaft gezogen. So sank zwar der Anteil an Schulterverletzungen in der Saison 2015/2016 um mehr als vier Prozentpunkte im Vergleich zur Vorsaison 2014/2015. Da Schulterverletzungen jedoch rund 16 Prozent der Skiverletzungen ausmachen, stellen sie dennoch einen ernstzunehmenden Faktor dar.

 Verletzungen am Kopf sind seltener geworden

Durch zunehmende Akzeptanz des Skihelmes konnte über die letzten Jahre hinweg die Zahl der Verletzungen im Kopfbereich reduziert werden. Zwar werden trotz einer Helmtragequote von etwa 93 Prozent immer noch 1,32 Kopfverletzungen pro 1.000 Skifahrer verzeichnet. Es muss jedoch angemerkt werden, dass gerade die Verletzungsschwere deutlich reduziert wird.

Zusammenstöße als häufigste Unfallursache

Ein wesentlicher Faktor für das Entstehen von Skiverletzungen ist nach wie vor die Kollision mit einem anderen Skifahrer. In circa 15 Prozent der Fälle wird ein solcher Zusammenstoß als Verletzungsursache angegeben. Es gilt daher nach wie vor, eine rücksichtsvolle und umsichtige Fahrweise an den Tag zu legen.



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