Vorhofflimmern – Wenn das Herz rast

Die Schön Klinik Neustadt engagiert sich seit Jahren zusammen mit der Stadt Neustadt und der Deutschen Herzstiftung im Kampf gegen Herzerkrankungen. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Wie sie diagnostiziert wird und welche modernen Behandlungsmethoden es gibt, erkläre ich in diesem Beitrag.

Prof. Dr. Peter W. Radke

Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie der Schön Klinik Neustadt.

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Vorhofflimmern ist mit etwa 1,8 Millionen Betroffenen alleine in Deutschland die häufigste Herzrhythmusstörung. Zwischen zehn und 15 Prozent der Menschen ab dem 70. Lebensjahr leben damit. Schätzungsweise 30 Prozent der Menschen mit Vorhofflimmern erleiden innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall. Die häufigsten Gründe für ein Vorhofflimmern sind der Bluthochdruck und die Herzschwäche.

Entstehung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Die Mehrheit der Patienten mit Vorhofflimmern leidet, besonders bei zu schnellem Puls, an Beschwerden wie Luftnot bei Belastung, Herzstolpern und Herzrasen. Dies bewirkt eine verminderte Belastbarkeit, Druck auf der Brust aber auch Schwindel bis hin zum Bewusstseinsverlust. Das Vorhofflimmern führt auch zu einem deutlich erhöhten Schlaganfall-Risiko. Doch früh erkannt, kann das Risiko durch eine gezielte Behandlung eingedämmt werden. Unser Ziel in der Schön Klinik ist es, eine Beschwerdebesserung zu erreichen und das Schlaganfall-Risiko zu minimieren.

Eine Verbesserung kann bei einigen Patienten durch die Reduktion der Herzfrequenz erreicht werden, vor allem wenn das Vorhofflimmern mit sehr schnellem Puls einhergeht. Bei einem ersten Auftreten von Vorhofflimmern oder auch deutlichen Beschwerden sollte zunächst das Wiederherstellen vom normalen Rhythmus, dem sogenannten Sinusrhythmus, durch eine elektrische Kardioversion („Elektroschock“) in Kurnarkose erfolgen. Bei Patienten mit fortdauernden Beschwerden kann eine sogenannte Vorhofflimmer-Ablation („Pulmonalvenenisolation“) in vielen Fällen zu einer Heilung vom Vorhofflimmern führen. Bei dieser Methode, werden die Lungenvenen, die sauerstoffreiches Blut von der Lunge in die linke Vorkammer transportieren, elektrisch vom linken Vorhof isoliert. In den Pulmonalvenen befinden sich elektrisch aktive Muskelzellen, die Impulse in die Vorkammern abgeben, wodurch Vorhofflimmern entstehen kann. Sind sie isoliert, können die Muskelzellen keine elektrischen Impulse in die Herzvorkammer mehr weiterleiten. Bei einigen Patienten ist mehr als eine Ablation notwendig. Nach der Behandlung können häufig die Rhythmusmedikamente abgesetzt oder zumindest in der Dosis reduziert werden.

Das Schlaganfall-Risiko bei Patienten mit Vorhofflimmern wird durch die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten deutlich gesenkt. Die bis vor wenigen Jahren empfohlene Substanz war das Marcumar (oder Warfarin). Mittlerweile werden jedoch neue, direkte Hemmer der Blutgerinnung empfohlen, die das Blutungsrisiko gegenüber dem Marcumar verringern können. Zudem sind regelmäßige Quick-Kontrollen bei diesen Substanzen nicht mehr notwendig.

Ratgeber der Deutschen Herzstiftung.

Ratgeber der Deutschen Herzstiftung. Zu beziehen unter: bestellung@herzstiftung.de

Sport und Vorhofflimmern

Zunächst muss man feststellen, dass ambitionierte Ausdauersportler ab dem 40. Lebensjahr ein höheres Risiko für Vorhofflimmern haben, als Freizeitsportler. Patienten mit bekanntem Vorhofflimmern, die kardiologisch gut untersucht (Bluthochdruck? Herzschwäche? Herzklappenerkrankung? Koronare Herzerkrankung?) und medikamentös gut eingestellt sind, können und sollen jedoch auch weiterhin Sport treiben.

Das Thema Vorhofflimmern stößt auf großes Interesse

Über Vorhofflimmern zu informieren, ist für mich ein wichtiges Anliegen. Dass dies auch ein großes Thema für viele Menschen ist, zeigte die große Teilnahme an unserer Veranstaltung zum Thema „Vorhofflimmern“ Mitte November. Im Rahmen der Herzwoche lud ich zusammen mit Herrn Prof. Tilz von der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, in Kooperation mit der Stadt Neustadt in Holstein und der Deutschen Herzstiftung zu einer Informationsveranstaltung in die Schön Klinik Neustadt ein. Über 60 interessierte Zuhörer kamen in die Schön Klinik und informierten sich über die wichtigsten Aspekte der Entstehung, Diagnostik und modernen Behandlungsmethoden. Dieses Interesse spornt uns in der Schön Klinik an, auch weiterhin über dieses Thema zu informieren.

Haben Sie Fragen? Dann schreiben Sie mir unter info@sport-meets-medicine.de.

Herwoche in der Schön Klinik Neustadt

Von links nach rechts: Günther Struck (ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung), Mirko Spieckermann (Bürgermeister von Neustadt und Schirmherr des Aktionsbündnisses „Neustadt gegen den Herzinfarkt“), Prof. Peter Radke (Chefarzt Innere Medizin- Kardiologie der Schön Klinik Neustadt und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung)



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