Schaden Kopfbälle dem Gehirn?

Manch ein Kopfball hat in Fußballspielen schon das entscheidende Tor gebracht. Doch wie gefährlich sind sie für den Spieler? Ein Fußball kann bis zu 100 Stundenkilometer schnell sein – im Moment des Aufpralls auf die Stirn des Sportlers liegt der Druck bei rund 400 Kilogramm. Unter Neurowissenschaftlern besteht schon seit einigen Jahren die Diskussion, wie gefährlich Kopfstöße für das Gehirn sind und ob sie zu Schäden führen. Die Antwort ist nicht ganz einfach.

Dr. Jürgen Herzog

Chefarzt der Schön Klinik München-Schwabing

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Wir wissen, dass es bei Profisportlern mit häufigen Kopftreffern, wie bei Boxern oder American Football-Spielern, spezifische Erkrankungen des Gehirns gibt, die durch die Erschütterungen ausgelöst werden. Als Langzeitfolge nennt man dies Chronische-Traumatische Enzephalopathie (CTE). Sie äußert sich durch eine sinkende geistige Leistungsfähigkeit, aber auch durch körperliche Folgeerkrankungen, wie ein Parkinson-Syndrom. Prominentes Beispiel war der Boxprofi Muhammad Ali. Kopfbälle, wie beim Fußball, die die Spieler gezielt annehmen, sind aber nicht mit Boxschlägen auf den Kopf zu vergleichen.

Muskeltraining für den Kopf

Eine gute Kopfballtechnik ist für das Spiel und für den Kopf des Spielers wichtig. Foto: haydenschiff, photopin

Die neurologischen Folgen von wiederkehrenden Kopfstößen auf das Gehirn sind allerdings noch nicht abschließend erforscht. Zwar ist das menschliche Gehirn durchaus in der Lage, Erschütterungen folgenlos auszuhalten. Doch gerade bei jungen Sportlern ist das Gehirn noch sehr verletzlich. In den USA geht man sogar so weit, beim Fußballtraining Kopfbälle bei Neun- bis Zehnjährigen ganz zu verbieten und bei Elf- bis 13-Jährigen die Anzahl der Kopfbälle einzuschränken. Aber auch bei Profi-Fußballern steigt das Risiko einer Hirnverletzung je nach Spielverlauf. Nicht nur Kopfbälle können diese Verletzungen auslösen, sondern auch Zusammenstöße der Spieler mit dem Kopf oder dem Körper des Gegenspielers. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Kopfballtechnik zu beherrschen, sondern auch Nackenmuskeln aufzubauen. Gezieltes Training von Hals- und Rumpfmuskulatur trägt dazu bei, dass Fußballer einen Kopfball koordinierter annehmen können und gleichzeitig ihr Gehirn schützen.

Schädel-Hirn-Trauma durch plötzlichen Kopftreffer

Ein unvorbereiteter Kopfball ist für den Spieler gefährlicher. Foto: crewefc, photopin

Anders sieht es bei einem Schuss aus, der einen Spieler unvorbereitet im Kopfbereich trifft. Früher hätte man die Folgen als Gehirnerschütterung bezeichnet. Heute sprechen wir von einem Schädel-Hirn-Trauma mit unterschiedlichen Schweregraden – vor allem, wenn der Spieler vorübergehend bewusstlos ist. Nach wie vor bleibt aber umstritten, ob es eine „kritische Grenze“ an (Mikro-) Verletzungen des Gehirns durch Kopfbälle gibt, oberhalb der Spätschäden, wie beispielsweise Demenzerkrankungen, entstehen können.

Langzeitstudie zeigt keine vermehrten Auswirkungen

Verschiedene Studien beschäftigen sich schon länger mit der Frage, ob Sportarten mit Körperkontakt langfristig neurologische Folgen haben. Eine englische Langzeitstudie gibt hier eine gewisse Entwarnung. Wenn man Jugendliche, die Rugby oder Fußball spielen, mit anderen jungen Sportlern in „gefahrlosen“ Sportarten vergleicht, zeigen sich bei ihnen laut Studie keine vermehrten kognitiven Einschränkungen.



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