Skitouren gehen – aber sicher!

Unberührter Schnee, der in der Sonne glitzert: Das ist es, was den Reiz von Skitouren ausmacht. Doch leider birgt die weiße Idylle auch Gefahren. Immer wieder geraten Tourengeher in Lawinen. Lesen Sie hier, wie Sie sich bestmöglich schützen.

Dr. Michael Riffelmacher

Chefarzt Anästhesie mit dem Schwerpunkt Notfallmedizin an der Schön Klinik Harthausen in Bad Aibling

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Der richtige Schutz ist wichtig. Selbstverständlich für alle Aktivitäten am Berg, im Sommer wie im Winter, sollte ein gut gewartetes Material sein: die Skier, die Bindung, die Felle, die Stöcke, die Schuhe, die Kleidung und inzwischen auch hier ein Helm. Grundsätzlich gilt, wie in anderen Bereichen und Betätigungen auch, dass der Tourengeher sein Material beherrschen sollte. Unter anderem heißt das: Nur ein guter Skifahrer sollte auch Touren gehen.

LVS-Gerät: Unbedingt den Umgang üben

Zur Grundausstattung gehört heute ein sogenanntes LVS-Gerät (Lawinenverschütteten-Suchgerät), erweiterbar um eine Sonde und eine Lawinenschaufel mit Metallblatt. Beim LVS-Gerät sind heute 3-Antennengeräte mit digitaler Technik Standard. Es gibt dabei verschiedene Systeme, die entsprechende Vor- und/oder Nachteile haben. Pauschale Aussagen zu den unterschiedlichen Systemen lassen sich nur schwer treffen, da die Weiterentwicklung sehr rasch voranschreitet. Unbedingt darauf zu achten ist, dass das Gerät funktionsfähig ist. Achten Sie also vor Ihrer Tour darauf, dass die Batterien geladen sind. Tragen Sie das LVS-Gerät außerdem eingeschaltet am Körper und nicht etwa im Rucksack. Wichtig: Das LVS-Gerät nutzt nur etwas, wenn man den Umgang damit auch geübt hat!

Reflektoren: sinnvoller Zusatz-Schutz

In Ländern, in denen mit dem Rettungssystem der Firma RECCO gesucht wird, ist es zusätzlich sinnvoll, die Bekleidung mit entsprechenden Reflektoren zu bestücken. Denn dieses Rettungssystem arbeitet mit aktiven Suchgeräten (Detektoren) und passiven Reflektoren: Der Detektor, den Rettungsteams im Lawinenfall einsetzen, sendet ein gerichtetes Suchsignal aus. Die Reflektoren, die von den Wintersportlern an der Kleidung getragen werden, empfangen das Signal und senden es an den Detektor zurück. Sie reflektieren es also. Der Retter empfängt dann über den Detektor ein Tonsignal. Folgt er diesem Signal, kann er den Verschütteten orten. Der Vorteil: Die Reflektoren benötigen keine eigene Energieversorgung und können daher kostengünstig in die Wintersportbekleidung und -ausrüstung eingebaut werden. Sie können aber in keiner Weise andere Systeme, wie etwa ein LVS-Gerät, ersetzen.

Lawinenrucksäcke: Schutz vor Ersticken

Ebenfalls etabliert haben sich mittlerweile Lawinenrucksäcke. Dabei sind sogenannte Lawinenairbags in einen Rucksack eingebaut. Wird der Wintersportler von einer Lawine erfasst, kann er durch Zug an einem Griff das Aufblasen des Airbags auslösen. Das Zusatzvolumen des Systems soll verhindern, dass der Sportler komplett von der Lawine verschüttet wird. So sinkt das Risiko, unter den Schneemassen zu ersticken. Wichtig: Lawinenairbags stellen lediglich eine Erweiterung dar. Sie ersetzen nicht das Mitführen von LVS-Gerät, Lawinenschaufel und Lawinensonde.

Weitere Schutzsysteme: Datenlage ist gering

Inzwischen sind noch einige weitere Systeme auf dem Markt – zum Beispiel spezielle Filter, die aus dem Schnee Atemluft filtern. Sie sollen das Atmen unter der Schneedecke ermöglichen und so ein längeres Überleben sichern. Die Datenlage ist jedoch noch sehr dünn. Daher kann man nicht sicher sagen, ob diese Systeme tatsächlich die Sicherheit erhöhen.

Wissen ist der beste Schutz

Doch die beste Ausrüstung alleine ist noch kein ausreichender Schutz vor Lawinen. Wer sicher in den Bergen unterwegs sein möchte, muss den Schnee, den Berg und das Wetter „lesen“ können. Der Lawinenlagebericht ist eine gute Grundlage – jedoch ist er meist einer Region zugeordnet und nicht dem einzelnen Berg, den ich besteigen möchte. Das nötige Wissen können Sie sich nicht ausschließlich aus einem Buch anlesen. Machen Sie besser einen der Kurse, die inzwischen von vielen Organisationen angeboten werden – beispielsweise vom Deutschen Alpenverein (DAV), der Bergwacht oder verschiedenen Vereinen und Skiclubs. Ansonsten gelten die gleichen Regeln wie beim Bergsteigen.



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