Hinter den Kulissen: Ski Alpin in Garmisch-Partenkirchen 2017

Die Kandahar in Garmisch-Partenkirchen zählt zu den anspruchsvollsten Abfahrten im alpinen Ski-Weltcup. Seit 1954 findet hier der Ski-Weltcup der Herren statt. Als Mannschaftsarzt begleite ich die Athleten und stehe ihnen bei medizinischen Belangen zur Verfügung. Wie bei jedem aktiven Menschen kommt es auf die richtige Vorbereitung an. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie sich Sportler, Trainer und Mediziner auf das große Rennen vorbereiten.

Dr. Hubert Hörterer

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Schön Klinik München Harlaching

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Der Tag vor dem Rennen: Das Training  startete um 7:00 mit einem gemeinsamen Mannschaftsfrühstück. Nachdem die Autos beladen sind, machen wir uns auf den Weg zur legendären Abfahrtsstrecke Kandahar in Garmisch-Partenkirchen.

Wir haben Glück: Bei sonnigen Verhältnissen können wir die Streckenbesichtigung regulär durchführen. Das Training kann beginnen. Vor allem das korrekte Anfahrverhalten zum Tor und die optimale Linienführung lassen die Trainer die Sportler immer wieder üben. Der Trainingslauf der Athleten wird per Videoaufzeichnung dokumentiert.

Anweisung der Trainer an die Rennläufer

Training Sprungtechnik

Die Strecke hat es in sich: Die Abfahrt zieht sich über den Trögelhang zum Eishang. Danach geht es über den Kramersprung zum Padöls, dann weiter zum Freien Fall bis zum Ziel. Der Athlet legt bei dieser Abfahrt eine Strecke von ca. 3.300 m zurück und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 130km/h.

Abfahrtstrecke Kandahar               Foto: skiweltcup-garmisch

 

Die Analyse: Nach dem Training werden die Fahrfehler der Rennläufer anhand der Videoaufzeichnungen analysiert.

Videoanalyse mit Abfahrer Josef Ferstl

Anschließend erhalten die Athleten physiotherapeutische Anwendungen, um unter anderem die Muskulatur nach dieser herausfordernden Abfahrt wieder zu lockern. Bei Bedarf wird eine medizinische Begutachtung der Sportler durchgeführt.

Informationsaustausch: Während die Athleten trainieren, beruft der verantwortliche Rennarzt ein sogenanntes Doctor Meeting ein. Die Teamärzte und medizinischen Betreuer aller teilnehmenden Nationen werden über Rettungswege, medizinische Versorgungsmöglichkeiten, sowie über Krankenhäuser in der Umgebung zur medizinischen Akutversorgung informiert.

Im Doctor Meeting gibt es letzte Informationen

Es geht los: Am Tag des Rennens dürfen Trainer und Athleten noch einmal eine Strecke besichtigen. Einzelne schwierige Streckenpassagen werden zwischen Trainer und Athlet erneut begutachtet. Kurz vor dem Rennen geben die Trainer über Funk dem jeweiligen Athleten zum letzten Mal Informationen über die Beschaffenheit der Strecke und informieren über mögliche Fahrfehler der vorausgegangen Abfahrer.

Aufwärmtraining vor dem Rennen

Nach einem kurzen Aufwärmtraining geht es los und es gibt kein zurück mehr.

Startpunkt

Am Ziel: Ein mittelmäßiger Tag für die deutschen Athleten. Skirennläufer Andreas Sander belegte den 14. Platz, womit er natürlich nicht besonders zufrieden war. Vielleicht beeinflusste auch der Sturz des Kanadiers Erik Guay die Leistung Sanders. Zumindest gab es keine Verletzungen in der deutschen Mannschaft, was uns Mediziner sehr freut. Jetzt heißt es volle Konzentration auf die Weltmeisterschaft in St. Moritz. „Denn nach dem Rennen ist wie immer vor dem Rennen.“



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