Golf und Rücken – So bleiben Sie schmerzfrei

Bewegung, Entspannung, Natur – viele Gründe sprechen für den Golfsport. Doch wenn der Rücken schmerzt, ist das Vergnügen nur noch eingeschränkt genießbar. Die Redaktion wollte von unseren Chefärzten des Rückenzentrums und des Zentrums für Schmerztherapie der Schön Klinik Harthausen, Dr. Roland Rusz und Dr. Ariane Burtscher, wissen, wie sich Beschwerden vermeiden oder auch behandeln lassen.

Kirsten Becker

Online-Redakteurin Schön Klinik

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Was sind die häufigsten Beschwerden bei Golfern?

Dr. Rusz: Es gibt aus meiner Sicht keine Golf-spezifischen Beschwerden. Golf ist Bewegung und Bewegung ist grundsätzlich erst mal wichtig und gut. Natürlich kann es durch nicht aufgewärmte Muskeln oder eine unglückliche Bewegung zu einer Muskelzerrung oder einem Bandscheibenvorfall kommen.

Dr. Roland Rusz, Chefarzt des Rückenzentrums der Schön Klinik Harthausen.

Dr. Roland Rusz, Chefarzt des Rückenzentrums, Schön Klinik Harthausen.

Ein Beispiel ist eine sogenannte Rotationsbewegung, bei der Becken gegen Schulter gedreht wird. Golf schützt natürlich auch nicht vor altersbedingten Verschleißerkrankungen. Grundsätzlich gilt beim Golfen wie auch bei jedem anderen Sport, gewisse Regeln und Tipps zu beachten.

Welche Regeln und Tipps sind das?

  1. Wärmen Sie sich vor Beginn des Spiels unbedingt auf – gut aufgewärmte Muskulatur ist enorm wichtig.
  2. Laufen Sie auf der Stelle, kreisen Sie die Schultern, machen Sie Dehnübungen, fangen Sie an mit leichten Probeschwüngen mit einem kurzen Eisen. So bereiten Sie Ihren Körper optimal vor und vermeiden Verletzungen.
  3. Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung und stärken Sie dafür Ihre Rumpfmuskulatur. Ich sage immer: Jeder hat sein eigenes Mieder – er muss es nur benutzen. Wenn die Bauch- und Rückenmuskulatur trainiert und gestärkt ist, ist das mit der aufrechten Körperhaltung gleich viel einfacher.
  4. Machen Sie Ausgleichstraining: Hier empfehle ich gerne Schwimmen.
  5. Vermeiden Sie Rotationsdrehungen – drehen Sie nicht Becken gegen Schultern, sondern bewegen Sie den Körper in einem Block.
Golf und Rücken - die richtige Haltung

Golf und Rücken – auf die richtige Haltung kommt es an. Foto: Mike Vansone, unplash.

Wie hilft Sport, chronische Rückenschmerzen zu vermeiden?

Dr. Burtscher: Sport beziehungsweise Bewegung ist enorm wichtig für Körper und Geist. Aus Studien wissen wir, dass eine sportliche Betätigung, wird sie ein bis dreimal pro Woche ausgeführt, die Gefahr für chronische Rückenschmerzen beträchtlich reduziert. Bereits vorhandener Schmerz bei älteren Frauen im Vergleich zu Untrainierten lässt sich dadurch um bis zu 38 Prozent senken. Ab 65 Jahren lohnt sich auch noch ein Zusatz an Training: Vier oder mehr Trainingseinheiten reduzieren die Krankheitshäufigkeit bei Männern um 21 Prozent, bei Frauen um 34 Prozent.

Dr. Ariane Burtscher, Chefärztin des Zentrums für Schmerztherapie der Schön Klinik Harthausen.

Dr. Ariane Burtscher, Chefärztin des Zentrums für Schmerztherapie, Schön Klinik Harthausen.

Was kann man bei Beschwerden tun?

Dr. Rusz: Bevor sich der Schmerz verfestigt oder chronifiziert, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Hier wird zunächst die Ursache gesucht: Handelt es sich um eine Muskelzerrung oder -dehnung? Ist ein Nerv eingeklemmt? Ist die Bandscheibe geschädigt? Der erste Schritt ist, möglichst eine konservative Therapie für Sie zu finden: Entzündungshemmende Mittel, Pause bzw. Entspannung, leichte Massagen bei Verspannungen, Physiotherapie wie zum Beispiel stabilisierende Rückengymnastik. Eine Operation lässt sich in vielen Fällen durch eine ganzheitliche Versorgung vermeiden oder zumindest verzögern.

In welchen Fällen ist eine Operation unumgänglich?

Dr. Rusz: Nur etwa zehn Prozent aller Erkrankungen der Wirbelsäule bedürfen einer OP. Bei schweren oder länger anhaltenden Rückenleiden kann ein Eingriff notwendig sein, um Ihre Lebensqualität wieder zu erhöhen. Es gibt eine Reihe von Wirbelsäulenerkrankungen, bei denen eindeutig geregelt ist, wann operiert werden sollte und wann nicht, zum Beispiel bei akuten Verletzungen. Weniger klar ist die Lage bei verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen. Weil es hier keine eindeutigen Richtlinien gibt, ist eine strenge Indikation besonders wichtig. Die Beurteilung jedes Falles basiert auf dem Befund: Wie stark sind die Schmerzen, war die konservative Therapie erfolglos, kommen sogar Gefühlsstörungen oder Lähmungen vor? Ergänzt wird dieser Befund durch die bildgebende Diagnostik der Wirbelsäule (z.B. Kernspintomographie).

Aber auch wenn eine OP droht: Wir sind heute in der glücklichen Situation, dass es äußerst schonende Verfahren wie die minimal-invasive Operation gibt. Große Wunden entstehen erst gar nicht und eine direkte Mobilisation nach der OP lässt Sie schnell wieder in den normalen Alltag zurückkehren. Vier bis sechs Wochen nach der OP kann in der Regel mit aktiver Gymnastik begonnen werden, nach zwei bis drei Monaten steht dem Golfer-Glück in der Regel (und natürlich erst mal vorsichtig) nichts mehr im Wege.

Der Schmerz geht nicht weg. Alle Behandlungen bringen nichts. Was kann ich tun?

Dr. Burtscher: Jetzt brauchen Sie umso mehr Sport und Bewegung. Dazu suchen Sie einen Experten, der Ihnen dabei hilft, Ihre Schmerzwahrnehmung zu ändern und Ihnen die Angst vor dem Schmerz zu nehmen. Gemeinsam machen Sie sich auf die Suche: Was hilft Ihnen trotz und mit Ihrem Schmerz, Ihr aktives Leben wieder aufzunehmen bzw. weiter zu führen? Wir nennen das die multimodale Schmerztherapie, bei der es besonders wichtig ist, den Schmerz in seinen verschiedenen Aspekten zu betrachten. Dafür bilden wir im Schmerzzentrum der Schön Klinik Harthausen ein Team aus Ärzten und Therapeuten, die aus dem Baukasten aller Möglichkeiten das Richtige gemeinsam mit Ihnen zusammenstellt. Das kann vom Ausdauertraining über Feldenkrais, Ergotherapie, Biofeedback, Qi Gong bis zu Psychologie und Verhaltenstherapie reichen. Und wenn möglich, beziehen wir auch Ihr Hobby, wie zum Beispiel Golf, in die Therapie mit ein. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg.

Golf und Rücken - die richtige Haltung

Golfen kann in die Therapie mit einbezogen werden. Foto: Court Prather, unsplash

Wann kann ich eine solche Behandlung in Anspruch nehmen?

Dr. Burtscher: Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn sie länger als drei Monate anhalten. Haben ambulante Maßnahmen wie Physiotherapie, Massage, Rehasport, Rehamaßnahmen, Akupunktur nicht geholfen, sollten Sie eine Schmerztherapie in Betracht ziehen. Insbesondere, wenn sich zum Schmerz oder durch diesen ausgelöst noch Depressionen, Ängste und Schlafstörungen hinzu gesellen und der Schmerz das Leben bestimmt. Ihr Schmerz ist nicht eingebildet. Eine akut-stationäre multimodale Behandlung, die in der Regel acht bis zwölf Tage dauert, ergänzt durch eine durchdachte Nachsorgebehandlung, kann Ihr Schmerzgedächtnis und damit Ihr Leben verändern.



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