Ein Wille, ein Ziel: Zurück aufs Segelboot nach Hüft-OP

Hans-Günter Ehlers nimmt seit vielen Jahren an Segelregatten teil. Als Schmerzen in der Hüfte seinen Segelsport immer mehr einschränken, besuchte der heute 70 jährige die orthopädische Sprechstunde von Dr. Christian Westphal, Chefarzt der Schön Klinik Neustadt. Dieser riet zu einer Operation. Anfang 2015 erhielt der Segler ein künstliches rechtseitiges Hüftgelenk, ein Jahr später wurde auch die linke Seite operiert. Heute nimmt Hans-Günter Ehlers wieder an Regatten teil. Die Sport-meets-medicine-Redaktion wollte von ihm wissen, wie er das geschafft hat.

Kirsten Becker

Online-Redakteurin Schön Klinik

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Sport-meets-medicine: Herr Ehlers, Sie sind begeisterter Segler und nehmen seit 56 Jahren an Regatten teil. Als Sie erfuhren, dass eine Hüft-OP unausweichlich ist, hatten Sie Bedenken, ob Sie je wieder diesen Sport ausüben können?

Hans-Günter Ehlers

Hans-Günter Ehlers: Nein, die hatte ich nie. Ich habe einfach nicht darüber nachgedacht und die Operation auf mich zukommen lassen. Ich hatte keine Zweifel, dass es danach mit meinem Segelsport nicht weitergehen könnte. Es wurde nur Zeit, etwas zu tun, da die Schmerzen immer größer wurden. Mein Fehler war, dass ich die Operation viel zu lange herausgezögert habe. Ich habe versucht, die Schmerzen mit Medikamenten zu überlisten, bis es fast nicht mehr ging. Das kann ich keinem empfehlen. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass meine Hüften schon so verschlissen waren, dass die Gefahr bestand, dass die neuen Hüftendoprothesen keinen Halt hatten.

Wie verlief die Hüft-OP?

Im Beratungsgespräch empfahl mir der Arzt, beide Hüftgelenke gleichzeitig operieren zu lassen. Das habe ich abgelehnt, weil ich davor Angst hatte, erst einmal gar nicht mehr beweglich zu sein. Im Nachhinein hätte ich es machen sollen, dann wäre alles schneller gegangen. Nachdem meine Entscheidung für eine Operation stand, bekam ich schnell einen Termin und erhielt im Januar 2015 in der Schön Klinik Neustadt ein rechtsseitiges künstliches Hüftgelenk. Ich war von Anfang an bei Dr. Christian Westphal und seinen Kollegen, Dr. Anne Pieper und Sven Nielsen, in guten Händen. Die Operation verlief einwandfrei. Insgesamt sechs Tage wurde ich stationär behandelt, bevor ich dann in die angeschlossene Reha in Neustadt wechselte. Hier blieb ich knapp drei Wochen und erholte mich schnell. Nach meiner Entlassung besuchte ich die Reha bis Mitte März zweimal pro Woche nur noch ambulant. Was mir besonders gefiel, war die schnelle Mobilisierung nach der Operation. Es hieß nicht, bleiben Sie mal ruhig liegen, sondern ich musste aufstehen und üben. Das hat mir mental auch sehr geholfen.

Was meinen Sie damit?

Ich muss zugeben, dass ich nach der ersten Operation in ein tiefes Loch gefallen bin. Wenn man sein Leben lang nie etwas hatte und dann gleich so einen Eingriff, das musste ich erst einmal verkraften. Ich konnte ja am Anfang gar nicht gehen. Als Sportler war das für mich sehr hart. Am Ende hat mir aber gerade mein sportlicher Ehrgeiz geholfen, denn als Wettkämpfer habe ich den Willen, mein Ziel zu erreichen und davon lasse ich mich nicht abbringen. Durchhalten ist wichtig für mich. Man darf sich von Misserfolgen nicht einschüchtern lassen. Ich habe die Kurve gekriegt. Die gleich einsetzenden Mobilitätsübungen während des stationären Aufenthalts, haben mir schnell wieder auf die Beine geholfen. In der anschließenden Reha in der Schön Klinik Neustadt stand Mobilität ebenfalls an erster Stelle. Für mich traumhaft.

Wann waren Sie danach das erste Mal wieder im Wasser?

Ich bin am 13. März 2015 noch zur Reha gegangen und am nächsten Tag mit meiner Frau nach Djerba/Tunesien geflogen. Dort hatten wir schon vor der Operation einen Bade- und Fitnessurlaub gebucht. Ich dachte damals, dass mir Strandspaziergänge und das Schwimmen im Meer gut tun werden. Auch im Urlaub war ich aktiv und habe meine Übungen weiter verfolgt. Ich bin täglich mit meinen Unterarmgehstützen am Strand spazieren und ins Meer gegangen. Zusätzlich nutzte ich die Aquagymnastik-Kurse, die im Hotel angeboten wurden.

Das erste Mal im Meer nach der Hüft-OP.

Spaziergang am Strand.

Am Pool im Hotel.

 

Sie haben alles dafür getan, um nach der Hüft-OP wieder beweglich zu werden.

Ja, das war sehr wichtig für meine Genesung. Ich hatte mein Ziel vor Augen, wieder an Regatten teilzunehmen. Nach meiner Rückkehr habe ich die Reha wieder aufgenommen, die ich für den Urlaub unterbrochen hatte. Ab da war ich durchgehend ein Jahr lang zweimal in der Woche in der ambulanten Reha in Neustadt.

Wie ging es weiter? Die linke Hüfte wurde ebenfalls operiert.

Im Juni 2016 bekam ich links ein neues Hüftgelenk. Operiert wurde ich wieder von Dr. Westphal und seinen Kollegen, Dr. Jette Pagenstecher und Dr. Johanna Russe. Alles verlief wie bei der ersten Operation einwandfrei und ich fühlte mich wirklich in guten Händen. Nach der Behandlung in der Schön Klinik wechselte ich erst wieder stationär in die angeschlossene Reha der Klinik und später ambulant. Also alles wie gehabt und altbewährt.

Und Sie haben auch nach der Reha weiter trainiert?

Ja, ich halte mich regelmäßig durch Krafttraining und Gymnastik im Fitnessstudio in Form und gehe viel spazieren. Auch schwimme ich sehr gerne in unserem „Haussee“, dem Schöhsee in Plön (Holsteinische Schweiz). Ich kann nach solch einer Operation nur jedem raten, selbst aktiv zu sein und zu trainieren, trainieren, trainieren.

 

Vorbereitung in Plön: Nach langer Zeit mein Segelboot wieder aufgetakelt…

…und fertig zum Slippen (ins Wasser lassen) gemacht.

Vorbereitung zur IDM 2016 in meinem Heimatrevier, Plön. Die Hüften arbeiten hervorragend, es ist also alles ok.

Wann waren Sie danach das erste Mal segeln?

Nach eineinhalbjähriger Pause konnte ich endlich wieder meinem geliebten Sport nachgehen. In meinem Heimatrevier in Plön habe ich mich dann auf die Internationale Deutsche Meisterschaft im Seesegeln (IDM) vorbereitet, die vom 28. September – 2.Oktober 2016 auf dem bayerischen Chiemsee stattfand. Meine Hüften haben bei der IDM hervorragend „funktioniert“ und ich habe Platz 29 erreicht – bei 91 Startern für mich ein sehr gutes Ergebnis. Der Neustart ist mir Dank der guten Behandlung in der Schön Klinik wirklich gelungen.

Auch dieses Jahr hat Hans-Günter Ehlers an der IDM Finn-Dinghy 2017 (22. August – 27. August) teilgenommen. Dieses Mal in Berlin auf dem Wannsee. Hier sind ein paar Impressionen.

Fotos: Friedrich Bungert/VSaW

Wir wünschen Hans-Günter Ehlers weiterhin alles Gute und allzeit guten Wind!



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